Wortgeschichten
Sprache lebt! Und Sprachkritik erschöpft sich nicht in der Klage, dass Aufkleber heute "Sticker" heißen und aus Kindern "Kids" geworden sind.
Diese Rubrik feiert jeden Monat neu die schönen und gehaltvollen Wörter unserer Sprache. Wörter, die auf der Zunge zergehen, dem Ohr schmeicheln und zu den Sinnen sprechen. Wörter, die eine Geschichte erzählen.
Wortgeschichte im August
Auf der Nordhalbkugel verfällt die Menschheit im August vielerorts in Urlaubsstarre. Doch unter ihr, im Gras und manchmal auch im Wohnzimmer, sammeln emsige Krabbeltiere alles ein, was dabei so zu Boden fällt. Die Ameisen erscheinen uns nicht nur ubiquitär, sie sind es auch: Fast überall auf der Erde vertreten, übersteigt ihre Biomasse die der Menschen bei Weitem. Woher die Ameisen kommen? Wer weiß das im Einzelfall schon so genau. Der Begriff "Ameise" jedenfalls leitet sich vom althochdeutschen Wort ameiza ab, was "die Abgeschnittene" bedeutet - und nicht "die Abschneiderin", wie gelegentlich behauptet. Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass bei der Ameise die einzelnen Körperglieder stark von einander abgesetzt sind. Ähnlich kam auch das Kerbtier zu seinem Namen, ein Ersatzbegriff für Insekt, das seinerseits "eingeschnittenes Tier" bedeutet (von lat. insectum = "eingeschnitten").
Doch zurück zur sommerlichen Reiselust, die auch den Ameisen nicht ganz fremd zu sein scheint. Davon weiß Joachim Ringelnatz zu berichten:
Die Ameisen
In Hamburg lebten zwei Ameisen,
die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona, auf der Chaussee,
da taten ihnen die Beine weh,
und da verzichteten sie weise
dann auf den letzten Teil der Reise.
Wortgeschichte im
Juli
Im Juli
beginnt die Sommerferienzeit und damit auch die Saison des Kauderwelschens und Radebrechens
in fremden Zungen. Woher aber kommen diese beiden schönen Wörter?
Mit Volker Kauders Sprachgebrauch hat das Kauderwelsch jedenfalls
nichts zu tun. Wäre ein Politiker der Namenspate für krausen
Sprachsalat, dann müsste es ja wohl Stoiberwelsch heißen, nicht wahr?
Kauderwelsch
bezeichnete urspründlich das Rätoromanische, also die bis heute
praktizierte Sprache der Ureinwohner des Rheintals bei Chur (Schweiz).
Im Tirolischen heißt die Stadt Chur "Kauer". Das DUDEN
Herkunftswörterbuch berichtet, dass sich über 'kaurerwelsch' -
wohl unter dem Einfluss der mundartlichen Begriffe 'kaudern' (= kollern,
plappern oder auch hausieren, bezogen auf das Welsch der italienischen
Hausierer) - das Wort 'Kauderwelsch' als Ausdruck für unverständliches
und verworrenes Sprechen einbürgerte.
Die Wurzeln des
Wortes Radebrechen reichen ins
Mittelhochdeutsche zurück. Hier bedeutete es "auf dem Hinrichtungsrad
die Glieder brechen". Später bekam es den übertragenen Sinn von "quälen"
und schließlich, im 17. Jahrhundert, verwendete man es in der heutigen
Bedeutung von "eine Sprache grausam zurichten".
(Quelle: Duden
Herkunftswörterbuch)
Wortgeschichte im Juni
Kulinarisch gesehen beschert uns der Juni den
heiß ersehnten Nachtisch zum Spargel: die Erdbeere.
Viele preisen sie als die Köstlichste unter den Beeren, und nur die
Spitzfindigen weisen dann darauf hin, dass es sich bei der Erdbeere aus
botanischer Sicht keineswegs um eine Beere, sondern um ein Rosengewächs,
oder genauer: um eine Sammelnussfrucht,
handelt. Auch sei das Rote an ihr gar nicht die Frucht, sondern nur eine
Scheinfrucht, auf der in Gestalt kleiner gelber Nüsschen die
eigentlichen Früchte säßen.
Die Schlaumeier
haben mal wieder recht. Aber wem sollte das den Appetit verderben? Genießer sind
schließlich in der Regel keine Wortklauber und Besserwisser. Und auch
wir wollen hier nicht dafür plädieren, dass die Erdbeere in Schulbüchern
fortan "Erdrose" heißt. Oder gar, dass per EU-Dekret nur noch die
winzigen Nüsschen verkauft werden dürfen ...
Nun aber zu
einer Frage, die uns wirklich bewegt: Warum schmecken Erdbeeren
eigentlich so wunderbar-wunderbar gut? Ganz einfach: Um der
Fortpflanzung (der Erdbeere) willen! Das köstliche Aroma lockt Menschen
und Tiere an. Diese verzehren die "Beeren" und verbreiten die
unverdaulichen Nüsschen (Früchte) weiter, auf dass überall neue kleine
Erdbeerpflänzen sprießen. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn die
Erbeere gibt es bereits seit der Steinzeit.

Bild: "Der Erdbeerkorb" von Jean-Baptiste
Chardin (ca. 1760)
Quelle: Wikipedia
Wortgeschichte
im Mai
Gäbe es den Titel "Schönster Monat des Jahres" zu gewinnen, dann wäre der Mai sicher einer
der Favoriten. Nicht von ungefähr hat er den Beinamen "Wonnemonat".
Sonnenwonne, Spargelwonne, Blütenwonne, Liebeswonne, Feiertagswonne -
all das verheißt der fünfte Monat des Jahres.
Ursprünglich hat
der Name "Wonnemonat" mit Freude oder Lust aber nichts zu tun –
allenfalls mit der Freude des Viehs, das draußen endlich wieder frisches
Gras rupfen durfte. Der "Wonnemonat" war nämlich der "Weidemonat" (ahd.
winnimanod oder wunnimanod, von ahd. winne =
Weideplatz, got. winuja = Weide, Futter und aisl. vin
= Weideplatz).
Als das alte Wort im 16. Jahrhundert wieder
aufgenommen wurde, war die ursprüngliche Bedeutung vergessen. Das Wort "Wonne" wurde jetzt im modernen Sinn verstanden.

Bild:
Wonne am Stiel. 1. Mai in München. Foto: S.T.
Wortgeschichte im
April
Woher
kommt eigentlich die Monatsbezeichnung April?
Nein, mit
dem Spülmittel-Klassiker Pril und dem Frühjahrsputz hat der Name nichts
zu tun. Aber mit dem Beginn des Frühlings schon: April
kommt möglicherweise vom lateinischen Verb "aperire", das "öffnen"
bedeutet. Und warum? Klar: Weil
sich im April so viele Knospen öffnen.
Ganz eindeutig
ist die Herkunft des Wortes allerdings nicht. So erwähnt Wikipedia auch
eine mögliche Ableitung von "apricus" ("sonnig"). Das Duden
Herkunftswörterbuch wiederum führt den April auf das lateinische
"aprilis" (mensis) zurück.
Übrigens: Im 8. Jahrhundert
erhielt der April in Deutschland den Namen "Ostermond". Die Herkunft
dieses Namens ist eindeutig: Karl der Große führte ihn ein, weil Ostern
meist in diesen Monat fällt.

Bild: Apfelblüte Ende
April. Foto: S.T.
Wortgeschichte im
März
„Vor dem Hause
stand ein Baum und darunter ein Tisch, an dem der Märzhase
mit dem Hutmacher Tee trank. Eine schlafend zwischen ihnen liegende
Haselmaus benutzten sie als Ellenbogenstütze ...“
Sie kennen das
Kapitel über die verrückte Teegesellschaft aus "Alice im Wunderland"?
Nun,
der Märzhase ist sicher nicht die einzige skurrile Figur in Lewis
Carrolls berühmtem Roman. Und doch sei die Frage erlaubt, was das
eigentlich ist,
ein Märzhase (oder
"march hare", im Original).
„As mad as a march hare“ ist eine englische
Redewendung, die auf das „verrückte“ Verhalten männlicher Hasen in der
Paarungszeit anspielt.
In
der Daily-Telegraph-Affäre von 1908 wurde der Vergleich zum Politikum:
Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. ließ sich mit den Worten zitieren, dass
die Engländer „verrückt wie Märzhasen“ seien, wenn sie an seiner
Loyalität zweifelten (was sie taten). Das Interview löste einen Sturm
der Entrüstung aus und kostete Wilhelm fast den Thron.
Die
Empörung flaute ab - und auch die Märzhasen sind April offenbar wieder
lammfromm. So fromm, dass sie an Ostern Eier austragen dürfen. Wie sie
wiederum dazu gekommen sind? Darauf fand Eduard Mörike die Antwort:
Die
Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was
hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? Wohl das Ei?
Wäre
das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil
noch kein Huhn gewesen,
„Schatz, so hat's der Has' gebracht”.

Bild: Sitzt seit 500 Jahren brav auf einem Blatt und
krümmt keiner Möhre das Kraut: Der - nach dem Osterhasen -
wahrscheinlich berühmteste Hase der Welt von Albrecht Dürer.
Wortgeschichte im Februar
Haben Sie sich auch
schon mal gefragt, was der Rosenmontag
eigentlich mit Rosen zu tun hat?
Gar nichts! Der Wortteil "Rose" geht auf den rheinischen
Ausdruck "rase" oder "rose" (toben, tollen, ausgelassen sein) zurück.
Der Rosenmontag ist also der rasende Montag - und nicht etwa der Tag, an
dem Vergessliche ihre Versäumnisse am Valentinstag wiedergutmachen
können ...
Wortgeschichte im Januar:
Wortgeschichte im
Juli Im Juli
beginnt die Sommerferienzeit und damit auch die Saison des Kauderwelschens und Radebrechens
in fremden Zungen. Woher aber kommen diese beiden schönen Wörter?
Mit Volker Kauders Sprachgebrauch hat das Kauderwelsch jedenfalls
nichts zu tun. Wäre ein Politiker der Namenspate für krausen
Sprachsalat, dann müsste es ja wohl Stoiberwelsch heißen, nicht wahr? Kauderwelsch
bezeichnete urspründlich das Rätoromanische, also die bis heute
praktizierte Sprache der Ureinwohner des Rheintals bei Chur (Schweiz).
Im Tirolischen heißt die Stadt Chur "Kauer". Das DUDEN
Herkunftswörterbuch berichtet, dass sich über 'kaurerwelsch' -
wohl unter dem Einfluss der mundartlichen Begriffe 'kaudern' (= kollern,
plappern oder auch hausieren, bezogen auf das Welsch der italienischen
Hausierer) - das Wort 'Kauderwelsch' als Ausdruck für unverständliches
und verworrenes Sprechen einbürgerte. Die Wurzeln des
Wortes Radebrechen reichen ins
Mittelhochdeutsche zurück. Hier bedeutete es "auf dem Hinrichtungsrad
die Glieder brechen". Später bekam es den übertragenen Sinn von "quälen"
und schließlich, im 17. Jahrhundert, verwendete man es in der heutigen
Bedeutung von "eine Sprache grausam zurichten". (Quelle: Duden
Herkunftswörterbuch) Wortgeschichte im Juni Kulinarisch gesehen beschert uns der Juni den
heiß ersehnten Nachtisch zum Spargel: die Erdbeere.
Viele preisen sie als die Köstlichste unter den Beeren, und nur die
Spitzfindigen weisen dann darauf hin, dass es sich bei der Erdbeere aus
botanischer Sicht keineswegs um eine Beere, sondern um ein Rosengewächs,
oder genauer: um eine Sammelnussfrucht,
handelt. Auch sei das Rote an ihr gar nicht die Frucht, sondern nur eine
Scheinfrucht, auf der in Gestalt kleiner gelber Nüsschen die
eigentlichen Früchte säßen. Die Schlaumeier
haben mal wieder recht. Aber wem sollte das den Appetit verderben? Genießer sind
schließlich in der Regel keine Wortklauber und Besserwisser. Und auch
wir wollen hier nicht dafür plädieren, dass die Erdbeere in Schulbüchern
fortan "Erdrose" heißt. Oder gar, dass per EU-Dekret nur noch die
winzigen Nüsschen verkauft werden dürfen ... Nun aber zu
einer Frage, die uns wirklich bewegt: Warum schmecken Erdbeeren
eigentlich so wunderbar-wunderbar gut? Ganz einfach: Um der
Fortpflanzung (der Erdbeere) willen! Das köstliche Aroma lockt Menschen
und Tiere an. Diese verzehren die "Beeren" und verbreiten die
unverdaulichen Nüsschen (Früchte) weiter, auf dass überall neue kleine
Erdbeerpflänzen sprießen. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn die
Erbeere gibt es bereits seit der Steinzeit. Bild: "Der Erdbeerkorb" von Jean-Baptiste
Chardin (ca. 1760) Gäbe es den Titel "Schönster Monat des Jahres" zu gewinnen, dann wäre der Mai sicher einer
der Favoriten. Nicht von ungefähr hat er den Beinamen "Wonnemonat".
Sonnenwonne, Spargelwonne, Blütenwonne, Liebeswonne, Feiertagswonne -
all das verheißt der fünfte Monat des Jahres.
Wortgeschichte
im Mai
Quelle: Wikipedia
Ursprünglich hat
der Name "Wonnemonat" mit Freude oder Lust aber nichts zu tun –
allenfalls mit der Freude des Viehs, das draußen endlich wieder frisches
Gras rupfen durfte. Der "Wonnemonat" war nämlich der "Weidemonat" (ahd.
winnimanod oder wunnimanod, von ahd. winne =
Weideplatz, got. winuja = Weide, Futter und aisl. vin
= Weideplatz).
Als das alte Wort im 16. Jahrhundert wieder
aufgenommen wurde, war die ursprüngliche Bedeutung vergessen. Das Wort "Wonne" wurde jetzt im modernen Sinn verstanden. 
Bild:
Wonne am Stiel. 1. Mai in München. Foto: S.T.
Wortgeschichte im April
Woher kommt eigentlich die Monatsbezeichnung April?
Nein, mit dem Spülmittel-Klassiker Pril und dem Frühjahrsputz hat der Name nichts zu tun. Aber mit dem Beginn des Frühlings schon: April kommt möglicherweise vom lateinischen Verb "aperire", das "öffnen" bedeutet. Und warum? Klar: Weil sich im April so viele Knospen öffnen.
Ganz eindeutig ist die Herkunft des Wortes allerdings nicht. So erwähnt Wikipedia auch eine mögliche Ableitung von "apricus" ("sonnig"). Das Duden Herkunftswörterbuch wiederum führt den April auf das lateinische "aprilis" (mensis) zurück.
Übrigens: Im 8. Jahrhundert erhielt der April in Deutschland den Namen "Ostermond". Die Herkunft dieses Namens ist eindeutig: Karl der Große führte ihn ein, weil Ostern meist in diesen Monat fällt.
Bild: Apfelblüte Ende April. Foto: S.T.
Wortgeschichte im März
„Vor dem Hause stand ein Baum und darunter ein Tisch, an dem der Märzhase mit dem Hutmacher Tee trank. Eine schlafend zwischen ihnen liegende Haselmaus benutzten sie als Ellenbogenstütze ...“
Sie kennen das Kapitel über die verrückte Teegesellschaft aus "Alice im Wunderland"?
Nun,
der Märzhase ist sicher nicht die einzige skurrile Figur in Lewis
Carrolls berühmtem Roman. Und doch sei die Frage erlaubt, was das
eigentlich ist,
ein Märzhase (oder
"march hare", im Original).
„As mad as a march hare“ ist eine englische Redewendung, die auf das „verrückte“ Verhalten männlicher Hasen in der Paarungszeit anspielt.
In
der Daily-Telegraph-Affäre von 1908 wurde der Vergleich zum Politikum:
Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. ließ sich mit den Worten zitieren, dass
die Engländer „verrückt wie Märzhasen“ seien, wenn sie an seiner
Loyalität zweifelten (was sie taten). Das Interview löste einen Sturm
der Entrüstung aus und kostete Wilhelm fast den Thron.
Die
Empörung flaute ab - und auch die Märzhasen sind April offenbar wieder
lammfromm. So fromm, dass sie an Ostern Eier austragen dürfen. Wie sie
wiederum dazu gekommen sind? Darauf fand Eduard Mörike die Antwort:
Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? Wohl das Ei?
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
„Schatz, so hat's der Has' gebracht”.

Bild: Sitzt seit 500 Jahren brav auf einem Blatt und krümmt keiner Möhre das Kraut: Der - nach dem Osterhasen - wahrscheinlich berühmteste Hase der Welt von Albrecht Dürer.
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, was der Rosenmontag eigentlich mit Rosen zu tun hat?
Gar nichts! Der Wortteil "Rose" geht auf den rheinischen Ausdruck "rase" oder "rose" (toben, tollen, ausgelassen sein) zurück. Der Rosenmontag ist also der rasende Montag - und nicht etwa der Tag, an dem Vergessliche ihre Versäumnisse am Valentinstag wiedergutmachen können ...
"Guten Rutsch!" - Mit diesem Gruß schicken wir einander am 31. Dezember ins neue Jahr. Und irgendwie passt die Vorstellung, auf eisglatter Straße und vielleicht sogar alkoholisiert gut, also unbeschadet, die Jahresschwelle zu passieren, so gut zur Sylvesternacht, dass es wenig Anlass gibt, die Herkunft der Formulierung zu hinterfragen.
Wer dennoch fragt, wird klüger. Denn der Sylvester-Rutsch hat mit mit dem Verb "rutschen" wohl rein gar nichts zu tun, sondern kommt vom hebräischen Wort für Neujahr: Rosch ha-Schana ("Anfang des Jahres").
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das neue Jahr ein offenes Ohr, Verständnis und Verstehen, auch im Medium der Sprache - und natürlich viel Freude, Gesundheit und Zufriedenheit für Sie und Ihre Familie!
Wortgeschichte im Dezember
Weihnachten, das ist auch die Zeit des Schmausens: Ein Augenschmaus sind die Kerzen am Christbaum, ein Ohrenschmaus (oft) die Lieder und ein Gaumenschmaus der Gänsebraten. Aber woher kommt das schöne Wort "schmausen", das so viele Sinnesfreuden verheißt?
Das Verb "schmausen" (= vergnügt und reichlich essen) kam im 17. Jahrhundert auf. Im Jargon der Studenten bezeichnete der Schmaus wenig später eine gute, reichhaltige Mahlzeit. Ursprünglich meint das Schmausen aber wohl das unsaubere Essen und Trinken. Auf diese Bedeutung weist die Verwandschaft mit dem niederländischen smuisteren (= beschmieren, schmausen) hin. In die gleiche Richtung geht auch das mnd. Verb smudden (= schmutzen), das im Adjektiv "schmudd(e)lig" weiterlebt.
(Quelle: DUDEN Herkunftswörterbuch)
Das Verb "schmausen" (= vergnügt und reichlich essen) kam im 17. Jahrhundert auf. Im Jargon der Studenten bezeichnete der Schmaus wenig später eine gute, reichhaltige Mahlzeit. Ursprünglich meint das Schmausen aber wohl das unsaubere Essen und Trinken. Auf diese Bedeutung weist die Verwandschaft mit dem niederländischen smuisteren (= beschmieren, schmausen) hin. In die gleiche Richtung geht auch das mnd. Verb smudden (= schmutzen), das im Adjektiv "schmudd(e)lig" weiterlebt.
(Quelle: DUDEN Herkunftswörterbuch)
Na also, da steht es schwarz auf weiß: Zum Genießen gehört auch ein bisschen Schmutzen und Schmieren. Das können wir von den Kindern lernen.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
Wortgeschichte im November
Kunterbunt färbt der Herbst die Blätter. In der Villa Kunterbunt wohnt Pippi Langstrumpf. Aber woher kommt dieses schöne Adjektiv eigentlich?
Bezeugt ist es seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in der Form contrabund. Dieses Adjektiv wiederum ist mit "Kontrapunkt", einem Begriff der Musiklehre, verwandt und bedeutete "vielstimmig". Aus contrabund entwickelte sich unter Anlehnung an "bunt" die Form "kunterbunt" mit der Bedeutung "verworren, durcheinander, (bunt) gemischt".Quelle: DUDEN Herkunftswörterbuch
Wortgeschichte im Oktober
Was für Köln der Karneval, ist für München das Oktoberfest: Eine traditionsreiche Massenveranstaltung vergnügungswütiger Zecher in bunter Verkleidung. Zwischen dem Ruf "O’zapft is!" und dem großen Kater danach vergehen zwei Wochen (paradoxerweise meist im September), in denen 6 Millionen Mass Bier die Kehlen hinab fließen, was bei den Betroffenen (mitunter Besoffenen) unterschiedliche Grade von Trunkenheit bewirken kann. Die deutsche Sprache bringt dies sehr differenziert zum Ausdruck:
Für den Zustand gesteigerter Redseligkeit und Lachlust nach einer Mass Bier gibt es die Ausdrücke "beschwipst", "beduselt", "besäuselt" und "angeschickert". Eine Mass mehr, und einige von uns sind bereits "knülle", haben "den Kanal voll" oder "einen in der Krone". Wer dann immer noch nicht aufhören kann, ist bald "blau wie ein Veilchen", "sternhagelvoll" oder auch "voll wie eine Haubitze". Was danach kommt, lässt der neue Begriff "Komasaufen" erahnen. Im wahrsten Sinne des Wortes "sturzbetrunken" war aber wohl jener Wiesn-Tourist, der kürzlich mit heruntergelassenen Hosen unter seinem Hotelfenster gefunden wurde – tot, leider. (Merke: Was man oben hinein schüttet, muss unten auch wieder heraus – die entsprechenden Türen tragen die Aufschrift "WC").Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt besser nüchtern - ein Zustand, für den es tatsächlich nur dieses eine Wort gibt. Immerhin hat es einen interessanten Ursprung: Das Adjektiv mit mittelalterlichen Wurzeln (ahd. nuohturn) entstammt der Klostersprache und meint "noch nichts gegessen und getrunken habend". Der Hintergrund: Der erste Gottesdienst fand im Kloster noch vor der Morgenmahlzeit statt, also nächtlich (lat. nocturnus), woraus das althochdeutsche Adjektiv nuohturn abgeleitet ist.
(Quelle: Duden Herkunftswörterbuch)
Wortgeschichte im September
Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter: Im September geht der Sommer zu Ende und der Herbst beginnt. Doch halt: Dazwischen liegt noch eine Übergangszeit mit oft sonnigem Hochdruckwetter, der Altweibersommer.
Wer dem im 17. Jahrhundert aufgekommenen Begriff nachspürt, erfährt, dass er ursprünglich wohl nichts mit betagten Damen zu tun hat. Vielmehr geht der mittlere Wortteil wahrscheinlich auf den altdeutschen Begriff weiben für das Weben von Spinnennetzen zurück.
Der Altweibersommer, auch "fliegender Sommer" genannt, bezeichnet demnach ein Phänomen, das man auch heute noch beobachten und auf der Haut spüren kann: das sogenannte "Luftschiffen" der Baldachinspinnen. Die meist in Bodennähe lebenden Spinnen produzieren lange Flugfäden, die schließlich vom Wind oder einem warmen Luftstrom erfasst werden. Auf diese Weise kann sich die Spinne bequem über weite Strecken davon tragen lassen - vorzugsweise an warmen Herbsttagen.
Die Bedeutungsverschiebung hin zu den "alten Weibern" dürfte sich eingebürgert haben, weil die Fäden und Netze der Baldachinspinnen im Herbst oft von Tau benetzt sind und dann wie silbergraues Haar aussehen. Der Volksglaube verbindet mit den "Herbst-" oder "Marienfäden" unterschiedliche Vorstellungen, nachzulesen bei bauernregeln.net.
Den Begriff "Altweibersommer" empfand übrigens eine 78-jährige Dame als derart diskriminierend, dass sie gegen seine Verwendung in den Wetterberichten des Deutschen Wetterdienstes klagte. Das Landgericht Darmstadt wies die Klage ab - am 2. Februar 1989, dem Tag der Altweiberfasnacht.
Quellen:
wikipedia.de
wiktionary.org
bauernregeln.net
anwaltseiten24.de, Pressemitteilung vom 19.12.2006